Evangelium: Lukas 9,28-36

28 Etwa acht Tage nachdem Jesus das gesagt hatte,
nahm er Petrus, Johannes und Jakobus mit sich.
Er stieg auf einen Berg, um zu beten.
29 Während er betete,
sah sein Gesicht auf einmal ganz verändert aus,
und seine Kleidung glänzte strahlend weiß.
30 Da redeten zwei Männer mit ihm.
Es waren Mose und Elija,
31 die in Herrlichkeit erschienen.
Sie sprachen mit Jesus über den Tod,
der ihm nach Gottes Plan in Jerusalem bevorstand.
32 Aber Petrus und die anderen waren fast eingeschlafen.
Trotzdem hielten sie sich wach.
So sahen sie Jesus in seiner Herrlichkeit
und die zwei Männer, die bei ihm standen.
33 Als die beiden sich von Jesus trennen wollten,
sagte Petrus zu ihm:
»Meister, es ist gut, dass wir hier sind.
Wir wollen drei Zelte aufschlagen:
eins für dich, eins für Mose und eins für Elija.«
Aber er wusste nicht, was er da sagte.
34 Während Petrus noch redete, zog eine Wolke auf,
und ihr Schatten legte sich über sie.
Die Wolke hüllte sie ganz ein, und sie fürchteten sich.
35 Eine Stimme erklang aus der Wolke:
»Das ist mein Sohn, ihn habe ich erwählt.
Hört auf ihn!«
36 Während die Stimme noch erklang,
war Jesus plötzlich wieder allein.
Die Jünger behielten das alles für sich.
Sie erzählten damals niemandem, was sie gesehen hatten.

(BasisBibel)

Die Verklärung. So wird diese Erzählung genannt. Eine Erzählung, die spaltet. 
Wie in der orthodoxen und katholischen Tradition feiert die Schwedische Kirche diesen Tag als Christusfest. Darum ist die liturgische Farbe heute weiß.
In der evangelischen Kirche in Deutschland hingegen wird dieser Anlass nicht besonders gewürdigt. 
Ich las den Kommentar eines Theologen, der das genau richtig findet. 
Zu romantisch verklärt, zu abgehoben, sei diese Erzählung, sie habe keinerlei Bedeutung für uns.
In Apelvikshöjd, ein Ortsteil von Varberg, dachte man anders. Die Gemeinde begann als Wohnzimmerkirche im Vereinslokal eines der Wohnhäuser. Sie wuchs recht schnell und 1989 wurde eine eigene Kirche gebaut mit Aussicht aufs Meer. In dem hellen, freundlichen Kirchraum fällt der Blick sofort auf das Altarbild, gemalt vom finnischen Ikonenmaler und Pfarrer Erland Gottfrid Forsberg aus Mölnlycke.
Die Gottesdienstfeiernden haben das Bild als Beilage erhalten; auf dieser Seite ist es unter diesem Text ganz zu sehen.
Die Verklärung, auch genannt die Verwandlung. Metamorphose. 
Wir sehen Jesus auf dem Berg mit dem Propheten Elia, links und Mose im rechten Bild. Unten sind die drei verängstigten Jünger, einer purzelt kopfüber hin vor lauter Schreck. 
In der Mitte Jesus, verwandelt, sein Kleid strahlt in einem glänzenden Licht. Von ihm geht ein Leuchten aus, acht Strahlen, ein Hinweis auf die Ewigkeit. Das Bild erinnert an den bereits auferstandenen Christus, der aus dem Grab hervortritt. Das eine Bein ist leicht angehoben, es sieht fast so aus, als würde er uns von der Mitte her entgegenkommen. 
Die beiden kleineren Bilder in der Mitte sind etwas schwerer zu erkennen. Da sehen wir auf der linken Seite, wie Jesus den Berg hinaufgeht mit den drei auserwählten Jüngern. Ganz links Johannes, der jüngste von den dreien mit rötlichem Gewand. In der Mitte mit dem gelben Mantel geht Petrus und etwas im Hintergrund sehen wir Jakobus. Jesus geht voraus, er zeigt den Weg. 
Ich frage mich, was hatten sie wohl dabei auf ihrer Wanderung?
Es ist Urlaubszeit. Instagram, WhatsApp, Facebook und andere Medien sind gefüllt mit Urlaubsfotos. Eine Bekannte stellte ein Bild von ihrem fertig gepackten Rucksack ein. 5,27 kg ohne Proviant und Wasser. Es soll auf Pilgerwanderung gehen. Dazu schreibt sie noch ein paar Tipps, wie man rückenfreundlich packen kann mit ultraleichter Kleidung und so wenig Zeug wie möglich. 25 Tage Wanderung liegen vor ihnen.
Ja, was muss mit auf die Wanderung? Es kommt wohl darauf an, was man vorhat. 
Jesus wollte auf den Berg, um zu beten. Es sollte ein ruhiger Ort sein, abgeschieden von der Welt, weit weg von den vielen Menschen, die ihn bedrängten und ständig etwas von ihm wollten. Er brauchte Ruhe und Einsamkeit, um ganz bei Gott zu sein im Gebet. 
Berge in der Bibel – das sind Orte der besonderen Gottesnähe. Ein Berg ist erhaben und mächtig. So wie Gott. 
Ich denke ihr kennt dieses Gefühl: Auf dem Berg scheint man dem Himmel näher zu sein. Fern von allem, was ablenkt. Man erhält einen Überblick über die Landschaft und manchmal sogar einen neuen Blick auf sein eigenes Leben. 
Mose empfing einst auf dem Berg Sinai die 10 Gebote von Gott. 
Der Prophet Elia begegnete Gott auf dem Berg Horeb. Das waren ganz besondere, außergewöhnliche Momente. 
Jesus nimmt hier drei seiner engsten Freunde mit hinauf. Erst am nächsten Tag sollten sie zurück sein. 
Ich frage mich, was sie wohl dabeihatten. Vermutlich nur ein bisschen Proviant und Wasser, dazu warme Mäntel, um sich darin einzuhüllen, denn nachts wird es kühl. Einen Kompass brauchen sie nicht, Jesus gab die Richtung vor. Und vielleicht war es auch gar nicht schwer, den Weg zu erkennen. Einfach hinauf, zu einem stillen Platz, wo sie in Frieden sein konnten. 
Ich stelle mir vor, wie sie sich niederließen, um sich auszuruhen. Unten breitete sich die Ebene vor ihnen aus, in der Ferne waren weitere Berggipfel und Hügel zu erkennen.
Im Abendsonnenschein packten sie ihre Beutel aus. Jesus sprach das Dankgebet und teilte das Brot, Petrus reichte Oliven herum und Jakobus den Ziegenkäse. Zum Nachtisch gab es Weintrauben aus dem Beutel von Johannes. Picknick in der Abendsonne. Eine Momentaufnahme. 
Dann wurde es schnell dunkel und die drei Jünger unterdrückten ein erstes Gähnen, während Jesus sich etwas abseits begab zum Gebet. Petrus und die anderen beiden schliefen derweil ein. 
Schlaf in der Bibel – davon hören und lesen wir des Öfteren. Ich denke an den Stammvater Jakob, der im Traum die Himmelsleiter sieht, an der Engel auf und abfahren. Ich denke an die sogenannten törichten Jungfrauen mit ihren Öllampen, die einschlafen und dadurch das große Festmahl verpassen. Und schließlich die Szene im Garten Gethsemane am Abend vor dem Tag der Kreuzigung. 
Dort im Olivenhain hatte Jesus wieder einen ruhigen Ort zum Beten gesucht. Doch nun war sein Gesicht nicht hell erleuchtet, sondern von Schrecken gezeichnet. Seine Augen waren voller Angst. Wieder hatte er Petrus, Jakobus und Johannes mitgenommen. Aber sie schafften es nicht mit ihm wachzubleiben zum Gebet, ständig schliefen sie wieder ein. 
Viel Ausdauer scheinen sie nicht gehabt zu haben, diese drei. Aber ihre Müdigkeit und Erschöpfung sind nur allzu menschlich.
Hier auf dem Altarbild sehen wir den Schlaf nicht abgebildet, denn der Evangelist Markus, der die Vorlage gab, erzählt davon nicht. Aber Markus erzählt von dem Schrecken, der den Jüngern in die Glieder fuhr, als sie die Erscheinung sahen – den hell leuchtenden Jesus im weißen Gewand und neben ihm die Vorgänger im Glauben, Mose und Elia. Es haute sie regelrecht um. 
Petrus, wir sehen ihn links im Bild unten, fing sich als erster wieder. Fasziniert schaute er auf die drei Gestalten im himmlischen Licht. Jesus strahlte einen Frieden aus. 
Ein Moment zum Festhalten. 
Hier ist gut sein. 
„Halt“, höre ich ihn rufen, als die Figuren neben Jesus langsam verblassen und verschwinden. „Lasst und drei Hütten bauen, dir eine und Mose eine und Elia eine.“
Solch ein himmlischer Frieden. Es umfing ihn ein seliges Gefühl. Und dieses wohltuende Licht! Wie durch einen Türspalt sahen sie ein Stück von der Ewigkeit. An diesen Ort wollte Petrus für immer zurückkehren können.
„Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen.“
Wir brauchen solche Plätze, die uns Ruhe geben und ein Gefühl, Gott nahe zu sein. Es muss kein Berg sein. Vielleicht ein Spaziergang am Meer oder der Besuch einer Kirche am Urlaubsort, ein Morgenbad im See oder ein ruhiges Stündchen im schattigen Wald. Ein Ort, der uns mit Ruhe umhüllt. Dann kann sich ein heiliges Gefühl einstellen. Aber dieses Gefühl lässt sich nicht festhalten. Nächstes Mal erleben wir ein und denselben Ort vielleicht ganz anders. Es ist eine Momentaufnahme, wertvoll genau in dem Augenblick. 
Nein, es wurden keine Hütten gebaut da oben. 
Petrus und die anderen beiden konnten nicht verstehen, was da vor sich ging. Sie wussten noch nichts von Karfreitag und Ostern. Sie verstanden gar nichts. 
Jesus aber erhielt einen klaren Blick. Er sah gleichsam in der Ferne schon den Ölberg mit dem Garten Gethsemane, er sah schon den Weg der Schmerzen, der ihn erwarten würde und den Hügel Golgatha. 
Wir können Gott und die Versöhnungstat seines Sohnes Jesus Christus nicht verstehen, wenn wir nicht vom Berg der Verklärung mit hinabgehen auf den Weg, der da folgt. Dieser Gott, der Vater Jesu Christi, ist einer, der erst in der Tiefe sein wahres Wesen zeigt. Gott finden wir nicht allein oben auf dem Berg. 
Gott ist in der Tiefe und den Niederungen des menschlichen Daseins. Gott ist auch in der Dunkelheit. 
Beides ist auf dem Altarbild zu erkennen. 
Die obere Altartafeln sind voller Glanz. Im unteren Bereich sind es dunklere Farben. 
Aber seht ihr den Lichtstrahl, der wie ein Zacken, wie ein Bach voller Licht, von oben her den unteren Teil erreicht? Himmel und Erde sind miteinander verbunden. Das Licht des Himmels erreicht jetzt schon die irdische Wirklichkeit. Und manchmal ahnen wir etwas davon, wenn uns dieser Friede erreicht. 
Was das Bild nicht zeigt, ist die Stimme, die sprach: „Dies ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören!”
Es ist dieselbe Stimme wie einst bei der Taufe am Jordan. Gott bekennt sich zum Sohn. Und gibt die Richtung an: Folgt ihm. Hört auf ihn!
Das ist der Auftrag. 
Christus zu folgen, das bedeutet nicht Hütten zu bauen. Es ist ein Weg, der zu gehen ist. Christus folgen, das bedeutet nicht allein Gott anzubeten an einem Ort des Friedens. Es bedeutet auch hinabzugehen in die Wirklichkeit des Lebens, seinen Alltag zu bewältigen und Christus zu dienen. „Hört auf ihn!“ 
Mein Blick fällt auf das mittlere Bild ganz rechts. 
Sie machten sich wieder auf den Weg hinab in die Ebene. Was sie wohl dabei hatten? 
Der Proviant war leer gegessen. Vielleicht teilten sie die letzten Weintrauben miteinander, ein bisschen Traubenzucker tut immer gut. 
Aber ich stelle mir vor, wie Johannes, der da in der Mitte auf dem Boden kauert, im letzten Moment als aufstehen wollte, einen kleinen weißen Stein entdeckte. Einen, der im himmlischen Lichterschein besonders hell geleuchtet hatte. 
Und ich stelle mir vor, wie er sich den winzigen Stein er sich in die Manteltasche steckte. Seine Hand hielt ihn fest umschlossen den ganzen Weg hinab. So als wollte er sich vergewissern: Das war kein Traum. Es ist wirklich geschehen. Dieser Stein sollte ihn in düsteren Stunden an das Licht erinnern. An die andere Wirklichkeit, an den Himmel, der sich für einen Moment gezeigt hatte. 
So gingen sie miteinander hinab. Dorthin, wo die Menschen warteten. Der Weg musste weitergehen. 
Jesus wusste: Dieser Weg wird kein leichter sein. Darum brauchte er das Licht. Er brauchte diesen Moment auf dem Berg mehr als die anderen. Als Vergewisserung, dass er auf dem richtigen Weg ist. Und dass er diesen Weg nicht allein geht.
Und es sieht mir so aus, als wäre da beim Abstieg vom Berg ein bisschen mehr Licht als im Bild vom Aufstieg. Der Heiligenschein von Jesus leuchtet heller und man sieht sein rotes Gewand unter dem blauen Mantel. Er ist erfüllt von Licht und göttlicher Kraft. 
Als ich die Gemeinde Apelvikshöjd in Varberg vor zwei Jahren besuchte und dieses Altarbild sah, war ich fasziniert davon. Aber auch überrascht. 
Der Berg der Verklärung als Altarbild – das ist ungewöhnlich. Aber eine gute Wahl! 
Die Gemeinde schreibt auf ihrer Homepage: Wir wollen Jesus im Zentrum haben, für alle unsere Arbeit, sowohl im Alltag als auch am Wochenende. 
Jeden Sonntag werden die Gottesdienstbesucher daran erinnert: 
Jesus Christus steht im Zentrum. 
Von ihm kommen wir her, 
mit ihm halten wir an auf dem Berg zur Anbetung. Im Gottesdienst feiern wir die Gegenwart des Auferstanden unter uns.
Wir spüren den Frieden, den er ausstrahlt. 
Und dann gehen wir mit ihm hinab in unsere Woche auf die Wege die da kommen. 
Und vielleicht ist der Weg dann ein kleines bisschen heller. Und ein kleiner weißer Stein in der Manteltasche erinnert daran. Amen.