Lyssna

Die Geschichte der Kirche Sankt Jacob

Von der Holzkappelle zur Backsteinkirche

Hintergrund und die erste Pfarrkirche

Die Geschichte der Sankt-Jacobs-Kirche beginnt im frühen 14. Jahrhundert als Kapelle am Rand der Gemeinde Solna. In Dokumenten aus dem Jahr 1311 wird eine neu errichtete Kapelle auf Norrmalm erwähnt. Ob Jacob im 15. Jahrhundert eine eigene Gemeinde wurde, ist schwer zu sagen. In den 1430er Jahren wird die Kirche als “ecclesia parrochialis” – Pfarrkirche – bezeichnet, und es gibt Gründe anzunehmen, dass die Kapelle inzwischen durch eine Backsteinkirche ersetzt worden war. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Kirche nördlich des heutigen Kirchhofs stand – ungefähr dort, wo sich heute das Gemeindehaus befindet.

Es dürfte eine Backsteinkirche gewesen sein, die nach dem Beschluss des Reichstags von Västerås im Jahr 1527 abgerissen wurde. Wäre die Kirche noch aus Holz gewesen, hätte man sie vermutlich nicht abgerissen. Ein Grund für den Abriss war, dass die Kirchen auf den Stadthöhen seit den 1470er‑Jahren den Feinden während der Kämpfe um Stockholm als Zufluchtsorte gedient hatten. Zudem benötigte König Gustav I. Ziegelsteine für die Befestigungsarbeiten der Stockholmer Innenstadt.

Der Heilige Jacob

Die Kirche ist nach dem Apostel Jakobus dem Älteren benannt, dem Schutzheiligen der Pilger und Reisenden. Er wird als Pilger dargestellt – mit Hut, Wanderstab und Jakobsmuschel. Die Muschel diente als Trinkschale für Wasser unterwegs.

Johan III.: Die Kirche von 1588–1592

1580 befahl König Johann III., die Sankt‑Jacobs‑Kirche wieder aufzubauen. Dies war Teil seiner Bestrebungen, die nördlichen Stadtteile stärker in die Stadt zu integrieren. Der Bau begann 1588; auch diese Kirche sollte aus Backstein errichtet werden und am Standort der ursprünglichen Kirche stehen. Wahrscheinlich war Willem Boy der Architekt, der gleichzeitig für königliche Schlossbauten tätig war. Die Bauleitung der Jacobs­kirche lag beim Baumeister Henrik van Huwen.

Der König änderte jedoch bald seine Vorstellungen über Lage und Aussehen der Kirche, und man begann neu – südlich des Kirchhofs. Das Langhaus erhielt schließlich einen dreischiffigen Grundriss mit sechs Jochen und einem schmalen, polygonalen Chor. Bis zum Tod des Königs 1592 wurden die drei Schiffe sowie die Pfeiler aus Ölandkalkstein und das Gewölbe über der Kreuzung fertiggestellt, wo der zentrale Turm entstehen sollte.

Karl IX. und Flemmings Bau: 1633–1644

Die Fertigstellung der Kirche zog sich lange hin. Heute zeigt sie Spuren von Spätgotik, Renaissance und Barock. Nach Johan III.s Tod 1592 lagen die Arbeiten weitgehend still, bis sie um 1630 wieder aufgenommen wurden. Karl IX. setzte sich jedoch für die Vollendung ein; er plante, Norrmalm zu einer eigenen Stadt zu machen. Tatsächlich erhielt Norrmalm 1602 eine eigene Gerichtsbarkeit und ein Siegel, jedoch keine vollständigen Stadtrechte.

Unter Karl IX. wurde die Kirche um zwei Joche verlängert. Die Arbeiten kamen nur langsam voran, doch das Interesse blieb, da die finnische Gemeinde halbwegs die Zusage erhalten hatte, die Kirche nach Fertigstellung nutzen zu dürfen.

1633 nahm Klas Flemming, Schwedens erster Statthalter, die Sache in die Hand und schloss Verträge mit dem Maurermeister Hans Förster und dem Steinmetz Henrik Blom ab. Die Gewölbe wurden in verschiedenen Sternformen ausgeführt. Im Deckengewölbe der Kreuzung findet sich die vergoldete Jahreszahl 1642 – das Jahr, in dem das Dach fertiggestellt wurde. Das Südportal von 1644 stammt vermutlich von den Steinmetzen Markus oder Hans Hebel. Das West- und das Nordportal schuf Henrik Blom im Jahr 1643. Von ihm stammen auch die Giebel der Querarme in holländischem Renaissancestil, die jedoch beim Brand von 1723 zerstört wurden.

Die Einweihung 1643

Die Kirche wurde am 1. Advent, dem 26. November 1643, in Anwesenheit von Königin Christina eingeweiht.

S:t Jacob wird eine eigene Gemeinde

Am Tag zuvor war Norrmalm in zwei Gemeinden geteilt worden: S:ta Clara und S:t Jacob. Die Grenze verlief entlang der Malmskillnadsgatan auf dem Brunkebergsåsen. An dessen äußerem Ende lag bereits ein Friedhof, der Neue Kirchhof, auf dem bald die Johanneskapelle errichtet wurde – eine Begräbniskapelle, die bis 1906 Annexkirche von Jacob blieb.

Bauarbeiten im 17. Jahrhundert und neue Sakristei

Nur Teile der Inneneinrichtung waren fertiggestellt, und die Arbeiten gingen noch einige Zeit weiter. Das Südportal aus grauem Sandstein wurde 1644 vollendet, wahrscheinlich von Hans oder Markus Hebel. 1698 wurde nördlich des Chors eine neue Sakristei angebaut.

Der Brand von 1723

1723 wurde die Kirche, besonders das Dach, von einem Brand schwer beschädigt. Ein neuer Zentral­turm, entworfen von G. J. Adelcrantz, wurde 1739 eingeweiht. Alle Turmhauben stammen von Carl Hårleman. 1862 wurde das Langhaus erweitert, indem die Mauern entfernt wurden, die zuvor Sakristei und Grabkapellen von den Seitenschiffen getrennt hatten. In den 1770er‑Jahren wurde die Kirche außen grau‑weiß gestrichen.

Baugeschichte im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde das Innere der Kirche mehrfach stark verändert. Zwischen 1814 und 1816 entfernte man fast das gesamte Interieur aus dem 17. Jahrhundert; viele Gegenstände wurden häufig ausgetauscht. Alle alten Emporen wurden abgerissen und durch neue, durchgehende Emporen in beiden Seitenschiffen ersetzt. Der Altaraufsatz wurde erneuert, ebenso die Orgelempore. Dadurch wurde die Kirche nahezu ihres gesamten Lichts beraubt – und die Gemeinde klagte.

1825 wurden die Emporen und das Gestühl erneut umgebaut; die zuvor perlgrau gestrichenen Bänke wurden mahagonibraun gefasst.

Zentralheizung und Gaslicht

1850 erhielt die Kirche eine Zentralheizung mit einem Heizkessel östlich der Sakristei. 1862 wurde die Kirche mit Gasbeleuchtung ausgestattet: 1450 Gasflammen – die umfangreichste Gasinstallation in einer Stockholmer Kirche.

Vasa‑Renaissance 1893

Diese Veränderungen wurden bei der Renovierung von 1893, unter Leitung des Architekten C. Möller, rückgängig gemacht. Das Interieur erhielt eine nationalromantische Ausprägung, die als Vasa‑Renaissance bezeichnet wurde. Die Emporen wurden durch barock inspirierte Brüstungen ersetzt. Decken und Wände erhielten Blattornamente, und elektrische Beleuchtung wurde installiert. Der Chor erhielt ein niedriges Altarschrein und bemalte Glasfenster.

Renovierungen im 20. Jahrhundert

1910 wurde die Kirche außen erneuert, u.a. mit einem Sockel aus Sandstein und einem neuen Kupferdach. 1926 wurde die Sakristei um einen östlichen Raum erweitert.

Umbauten 1932–1937

Die nächste umfassende Renovierung fand 1932–37 statt und verlieh dem Kirchenraum die klare, fast schlichte Atmosphäre, die ihn bis heute prägt. Unter der Leitung des Schlossarchitekten Ove Leijonhufvud erhielt die Kirche einen neuen Außenputz in dem hellgrauen Ton der 1770er‑Jahre.

Die Kirche heute

Seit 1937 wurden keine größeren Veränderungen mehr vorgenommen. 1968–69 wurde die Kirche innen und außen renoviert und am 16. November 1969 in Anwesenheit von König Gustav VI. Adolf neu eingeweiht.

Am 29. September 1985 wurde ein neues Gemeindehaus eingeweiht, das an der Stelle der alten Friedhofskapelle auf der Nordseite des Kirchhofs errichtet wurde. Es ersetzte zwei Gemeindehäuser, die in den 1970er‑Jahren enteignet worden waren.

Ende des 16. Jahrhunderts begann Stockholm, sich auch außerhalb der Altstadt auszudehnen. Norrmalm benötigte eine eigene Kirche – und S:t Jacob wurde somit die erste Kirche in Stockholm, die nach der Reformation gebaut wurde. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts war die Kirche vollständig nutzbar.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Jacob eine der lebendigsten Kirchen Stockholms. Dynamische Prediger traten hier auf, Debatten der Freiheitszeit wurden unter ihren Gewölben geführt, und mehrere bedeutende Persönlichkeiten – darunter der Schriftsteller Kellgren – wurden auf dem Kirchhof begraben.

Im 19. Jahrhundert wurde das Kircheninnere mehrmals vollständig umgestaltet. Die gesamte alte Einrichtung wurde entfernt und später wieder durch neue ersetzt – die wiederum entfernt wurden.

In den 1930er‑Jahren erfolgte ein größerer Umbau, bei dem auch der große Altaraufsatz im Neorenaissance‑Stil eingebaut wurde. Die Kirchenorgel gehört zu den größten in Stockholm und ist eine der wenigen, die die komplexen Orgelwerke des 20. Jahrhunderts bewältigen kann.